Ursprünglich sollten die ersten Klassen der Realschule An der Fleuth im Sommer 2020 schon in das Gebäude der alten Geschwister-Scholl-Schule umziehen. Gutachter haben nun aber den Schadstoff PCB im Gebäude nachgewiesen.

Der geplante Umzug der Realschule an der Fleuth in das alte Gebäude der Geschwister-Scholl-Schule (GSS) steht auf der Kippe. Bei Untersuchungen auf Schadstoffe haben die Gutachter im alten Hauptschulgebäude in Fugen, Dichtungsmassen, Farben und Lacken den Schadstoff PCB nachgewiesen, dessen Verwendung seit 1989 in Deutschland verboten ist.

Die festgestellten PCB-Werte seien zwar nicht gesundheitsgefährdend, in zwei von acht Räumen, in denen Raumluftmessungen durchgeführt wurden, jedoch so hoch, dass mittelfristig eine Sanierung notwendig ist, sagte Thomas Mutz, Geschäftsführer der Gelderner Bau GmbH. Der Gutachter habe empfohlen, die Bereiche, in denen PCB verbaut wurde, komplett zu sanieren. Das Problem sei aber, dass auch trotz umfassender Sanierung nicht gewährleistet ist, die PCB-Belastung komplett zu beseitigen, sagte Mutz. Vorigen Donnerstag wurde der Stadt das Gutachten vorgelegt, die Fraktionen sowie die Realschule wurden am Montag informiert.

Weniger überraschend, aber dennoch mit zeit- und kostenintensiven Folgen verbunden, ist zudem der Fund von Asbest in dem GSS-Gebäude. Asbest wurde großflächig in gebundener Form in den Wänden nachgewiesen. „Dadurch, dass es gebunden ist, geht aber aktuell ebenfalls keine Gefährdung für Nutzer der Räume aus“, sagte Mutz.

Stadtverwaltung und Politik stehen nun vor dem Problem, wie sie den Umzug der Realschule in das alte Hauptschul-Gebäude noch realisieren können. Die Politik hatte dem Schul-Umzug im Sommer bereits zugestimmt. Was noch fehlte, war im nächsten Schritt aber das nun vorgelegte Gutachten zum Zustand des Hauptschul-Grundstücks und -Gebäudes. Das Ergebnis hat die Verantwortlichen jetzt kalt erwischt. „Durch die Erfahrungen bei bisherigen Schulsanierungen haben wir natürlich damit gerechnet, dass wir in dem Gebäude Schadstoffe finden werden“, sagte Bürgermeister Sven Kaiser. „Aber die jetzigen Ergebnisse haben wir so nicht erwartet.“ Es sei das erste Mal, dass PCB festgestellt worden sei, sagte Mutz.

Zusammen mit den Vertretern der Realschule An der Fleuth soll die Gelderner Bau GmBH dem Schulausschuss nun bis zur Ausschussitzung am 3. Dezember, also innerhalb von vier Wochen, neue Möglichkeiten präsentieren. Langfristig sind jedoch nur zwei Optionen denkbar: Entweder das GSS-Gebäude wird mit allen Risiken und Konsequenzen komplett saniert oder die alte Hauptschule wird abgerissen und es wird ein neues Gebäude gebaut. Eine grobe Kostenaufstellung beider Varianten soll bis zum 3. Dezember stehen. Was jetzt schon klar ist: Der Umzug wird definitiv teurer, als ursprünglich vorgesehen.

Noch entscheidender ist aber, wie es kurzfristig für die Realschule weitergeht. Durch die PCB-Funde ist der vorgesehene Zeitplan nicht mehr einzuhalten. Ursprünglich war geplant, dass die ersten neun Klassen der Realschule, die Jahrgänge fünf, sechs und sieben, schon zu Beginn des neuen Schuljahres an den neuen Standort wechseln. Durch den Umzug sollten die zwei jetzigen Realschul-Standorte An der Fleuth und am Westwall auf lange Sicht, sprich nach Abschluss der Umbaumaßnahmen am alten GSS-Standort, zu einem neuen Hauptstandort zusammengeführt werden. Das Gebäude An der Fleuth ist nämlich bereits fest für die Gesamtschule verplant. Container am Westwall aufzustellen, sei aus Platzgründen jedenfalls unmöglich, stellte Sven Kaiser klar.

Realschul-Leiter Wilfried Schönherr wollte sich zu kurzfristigen Lösungsvorschlägen noch nicht äußern. „Das wäre zum jetzigen Zeitpunkt fahrlässig, weil noch so viel unklar ist“, sagte er. Er erinnerte aber daran, die persönlichen Bedürfnisse der Schüler nicht zu vergessen, „für die ein mehrmaliger Umzug in ihrer Schullaufbahn sicher nicht förderlich ist“, sagte er.

Quelle: Rheinische Post, 06. November 2019