Thomas Mutz (l.) und Felix van Huet mit einem Pflanzelement für die Fassadenbegrünung an der Gesamtschule Geldern. Foto: Norbert Prümen

GELDERN Schulen, die von ihrer Digitalausrüstung her etwas auf sich halten,  kommen ohne ein „Whiteboard“ nicht aus. An der Gesamtschule Geldern entsteht derzeit  ein analoges Tafel-Gegenstück: monumental,  lebendig und speziell für den Biologieunterricht hervorragend nutzbar. In dem Neubau an der Königsberger Straße wird eine komplette Fassade begrünt.
Es ist ein Pilotprojekt. „Wir sind die erste Schule im Kreis Kleve, die so etwas macht“, sagt Thomas Mutz, der Geschäftsführer der  Gelderner Baugesellschaft (GBG), der die Federführung obliegt. Bundesweit gebe es  weniger als eine Handvoll solcher Maßnahmen. Bei der Gelderner Politik, so Mutz, sei das Vorhaben auf breite Zustimmung gestoßen. Laut Projektleiter Felix van Huet wird die  gesamte Nordseite der Schule begrünt. Das sind insgesamt 250 Quadratmeter an zwei Gebäudeteilen. Es handle sich um eine „hinterlüftete“ Fassade. Van Huet: „Dabei wird die Konstruktion auf Schienen an der Wand  befestigt.“ Die vorwiegend grünen, aber auch einige bunte Pflanzen sind speziell für eine  Nordausrichtung geeignet. Die Versorgung der Pflanzen mit Wasser und Dünger erfolgt in beiden Trakten jeweils von einem Technikraum im Obergeschoss aus. Die Wassertanks werden über die Hauswasserleitung automatisch befüllt, die Düngerabgabe wird durch die Wartungsfirma  geregelt. Von den Technikräumen fließt das Wasser-Dünger-Gemisch zu den Pflanzpaneelen. Mit der Fassadenbegrünung wird nach Auskunft der Projektverantwortlichen in dem Areal ein Stück der Grünzone durch Geldern reaktiviert. Positive Effekte erhofft man sich für die  Biodiversität, also für die Artenvielfalt, und für den Kampf gegen die Überhitzung des Gebäudes und für das Klima allgemein. Außerdem werde der parkähnliche Charakter des Geländes betont. Und nicht zuletzt leistet man einen Beitrag zur Kohlendioxid-Reduktion. Das in Verbindung mit  einem laut Mutz nachhaltigen energetischen  Konzept. Eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach sowie eine Wärmespeicher-Rückkopplung  machen das ganze Schulgelände nach Angaben van Huets über das Jahr gesehen autark. Mutz:„Im Sommer speisen wir Strom ins Netz ein, im Winter entnehmen wir daraus.“ Ein  Erkenntnisgewinn ergibt sich aus der Fassade für den Biologieunterricht vor Ort. Mutz: „An den Pflanzen lassen sich die Jahreszeiten ablesen.“ Im Frühjahr und Sommer dominiere das Grün, im Herbst und Winter eher das Braun.
Rund 200.000 Euro gibt die Stadt für die Fassadenbegrünung aus. Die Firmen Dachdecker Visser aus Geldern und Semper Green aus den
Niederlanden bringen seit Ende Mai die Konstruktion an, deren Fertigstellung in diesen Tagen abgeschlossen wird. Nach dem politischen Rückenwind für die grüne Nordwand der Gesamtschule wartet die GBG ab, wie sich die ganze Sache entwickelt. Sollten die Ergebnisse gut sein, ist laut Mutz vorstellbar, dass diese Begrünung kein Einzelfall in Geldern bleibt. Ein Transfer auch auf andere Schulen in der Stadt wäre möglich. Laut van Huet lässt sich die Schienenkonstruktion auch an Bestandsgebäuden grundsätzlich nachrüsten. Und sollten sich die Kosten als zu hoch erweisen oder die Pflanzen an der Fassade nicht gedeihen, lässt sich die Konstruktion von der Fassade der Gesamtschule wieder abschrauben. Die 200.000 Euro jedoch, so Mutz, wären dann weg.

 

Quelle: Rheinische Post