Großes Interesse bestand an der Führung: Projektleiter Felix van Huet zeigte den Gästen die neuen Räume. Foto: Norbert Prümen

Der erste von zwei Anbauten wurde am Dienstagabend eingeweiht. Rund 120 Gäste sahen sich bei einem Rundgang durch die Räume das neue Vorzeigeprojekt in Geldern an. Teil 2 soll am Ende der Herbstferien folgen.

Alles verlief nach Plan: Die Bauzeit wurde nicht überschritten, das Budget nicht überzogen. Selbst die neuen Türen sind noch rechtzeitig eingetroffen. 24 Wochen hatte die Gelderner Bau Gesellschaft darauf gewartet. Vor zwei Wochen wurden sie endlich geliefert. Einen Tag vor dem offiziellen Schulstart in NRW konnte am Dienstagabend das erste von zwei neuen  Gebäuden an der Gesamtschule Geldern an die Schulleitung übergeben werden. Einzig auf das Wetter hatten die Organisatoren keinen Einfluss. Es war nass, kühl und grau – das Gegenteil von Festtagsstimmung. Selbst die geplante Baumpflanzung musste um einen Tag  verschoben werden, weil die rund 120 Gäste sonst vermutlich im Schlamm versunken wären. Die stellvertretende Schulleiterin, Birgit Hartmann, fand dennoch aufmunternde Worte: „Es heißt ja: Wenn es bei der Hochzeit regnet, dann gibt es viele Kinder. Und wir wollen viele Kinder.“ Mittwoch war es dann soweit: Rund 270 Kinder der fünften und sechsten Klassen zogen in den Neubau ein. Und mit ihnen Marcus Leuker. Zum 1. August wechselte er von der Anne-Frank-Gesamtschule in Moers-Rheinkamp als Abteilungsleiter I an die Gesamtschule Geldern. Sein Büro sei zwar noch etwas kahl, aber das wird schon, meinte Leuker. Zusammen mit den Klassenlehrern werde man in den kommenden Wochen und Monaten dem Gebäude Leben einhauchen. Ein paar Farbtupfer gibt es schon: Der erste Anbau wird auch der grüne Block genannt – wegen des Themas Nachhaltigkeit. Gegenüber entsteht zurzeit noch der blaue Block, der zweite Anbau, in den, wenn alles gut geht, nach den Herbstferien die Siebt- und Achtklässler einziehen können. Und noch jemanden hatte allen Grund zur Freude: Felix van Huet, Projektleiter der Gelderner Bau Gesellschaft. Ihm war es gelungen, den ersten Anbau trotz der Corona-Pandemie in anderthalb Jahren fertigzustellen. Am 12. März 2020 fand der erste Spatenstich statt, einen Monat später gab’s den ersten Lockdown. Vielleicht lag es ja daran, dass die Zusammenarbeit zu 80 Prozent mit Unternehmen aus Geldern und der näheren Umgebung bestritten werden konnte. „Anfangs stand hier nur ein Betonklotz“, sagte van Huet. „Wir wollten einen besonderen Ort schaffen.  Einen Ort, an dem alle Schüler willkommen sind. Wir wollten das Konzept Schule neu denken. Ich glaube, dies ist uns gelungen und die Kinder und Jugendlichen werden hier eine verdammt coole Schulzeit haben.“ Elf Millionen Euro hat die Stadt in den Neubau investiert. Auch die Idee von Sven Kaiser mit der grünen Fassade, die er sich beim Venloer Rathaus abgeguckt hatte, und die mit immerhin 200.000 Euro zu Buche geschlagen ist, hat das Budget nicht aus dem Ruder laufen lassen. Kaiser selbst wäre gerne zur Einweihung gekommen, befindet sich aber immer noch in Quarantäne und schickte stattdessen seine erste Stellvertreterin, Bärbel Wolters. „Vor knapp zwei Jahren hat sich die Stadt dazu entschieden, 100 Millionen Euro in die Sanierung und Modernisierung der Gelderner Schulen zu stecken. Jeden Tage konnten wir mit ansehen, wie der Neubau an der Königsberger Straße langsam Gestalt annimmt. Nun können wir die ersten Früchte des Projekts ernten.“ Die anderen Schulen folgen. „Mit ein bisschen Zeit und ein bisschen Geduld, so Felix van Huet, komme jeder in Geldern dran.“ Dafür stehe er mit seinem Namen. Wie modern der neue Schulkomplex ist, wurde deutlich, als Schulleiterin Tanja Rathmer-Naundorf kein klassischer Schlüssel übergeben wurde, sondern ein überdimensionierter Funk-Schlüssel – weil die neuen Türen allesamt mit elektronischen Schlössern ausgestattet sind. Und nicht nur das: Es gibt modernstes WLAN, Smart-TV und Tablets. Insgesamt entstehen in beiden Neubauten mehr als 5000 Quadratmeter Nutzfläche, auf denen pro Gebäude zwölf Klassenräume untergebracht sind. Hinzu kommen ein Lehrerraum mit zwölf Arbeitsplätzen und eine Lehrerlounge, zu der Schüler keinen Zutritt haben. Noch ist der Raum ebenfalls kahl, auch die Sofas und die Wandtapete mit Baum-Motiv müssen noch geliefert werden. Herzstück ist die acht mal vier Meter große Glaswand, die den Blick auf die benachbarten Wiesen und Kühe freigibt. Überhaupt ist es auffällig hell (Holz: Akazie) und weitläufig. Früher, berichtet van Huet, habe es „Flurschulen“ gegeben. Das waren Schulen mit einem schmalen Flur, von dem die Klassenräume abgingen. An der Gesamtschule habe man die Räume dem pädagogischen Konzept angepasst. Das bedeutet: viel Platz zum Differenzieren. Der Raum sei der dritte Pädagoge (neben den Lehrern und den Schülern), befand Dirk Timmermann von der Bezirksregierung Düsseldorf. Was die Stadt hier geschaffen habe, sei einfach faszinierend.

Quelle: Rheinische Post

Thomas Mutz und Felix van Huet von der Gelderner Baugesellschaft sowie Gelderns stellvertretende Bürgermeisterin Bärbel Wolters  übergaben einen übergroßen Chip-Schlüssel an Schulleiterin Tanja Rathmer-Naundorf (von links).