Stadtwerke-Chefin Jennifer Strücker und Bürgermeister Sven Kaiser präsentieren das Gerät, das die drahtlose Übertragung ermöglicht.                    Foto: Stadt Geldern/Gehard Seybert

Dank des „Long Range Wide Area Networks“ (LoRaWAN) können künftig Daten aus dem Klassenzimmer übertragen werden, die Aufschluss über CO2-Gehalt, Luftfeuchtigkeit und Temperatur geben. Und das ist erst der Anfang.

Geldern macht den nächsten Schritt zur digitalen Stadt (Smart-City). Ein Baustein ist das sogenannte Long Range Wide Area Network (LoRaWAN), das jetzt an den Grundschulen getestet wird. Der lange Name steht für die Übertragung kleinerer Datenmengen über große Distanzen. Für die Umsetzung geht die Stadt Geldern eine Partnerschaft mit den Stadtwerken ein. „Gemeinsam möchten wir die Klassenzimmer zum Beispiel mit CO2-Ampeln ausstatten“, sagt Bürgermeister Sven Kaiser. „Mit Sensoren, die Raumtemperatur, Feuchtigkeit und den CO2-Gehalt der Luft messen, kann man schlechte Raumluft sichtbar machen. Eine große Hilfe für Schüler und Lehrer, denen mit dem einfachen Ampel-Prinzip angezeigt wird, ob die Raumluft verbraucht ist.“ Stadtwerke-Geschäftsführerin Jennifer Strücker ergänzt: „Gerade die einfache Nutzung hat Charme. Das grüne Licht der Ampel signalisiert geringen CO2-Gehalt. Gelb weist darauf hin, dass man bald lüften sollte. Schaltet die Ampel auf Rot, zeigt der Sensor an, dass die Raumluft nahezu verbraucht ist. Dies ist die für alle in der Klasse sichtbare Aufforderung, umgehend zu lüften. Eine sehr gute Hilfe für eine optimale Durchlüftung in Zeiten der Corona-Pandemie.“ Das Projekt passt zur Sanierung der Schulen, die derzeit durch die Gelderner Baugesellschaft (GBG) umgesetzt wird. Die Stadt strebe nicht nur mit hohen Investitionen in Bildung und Zukunft moderne Schulgebäude an, die auch energetisch auf dem neuesten Stand sind, heißt es in einer Pressemitteilung. Mit dem Funknetzwerk sei man künftig ebenso in der Lage, Optimierungsbedarf bei der Heiztechnik zu erkennen. Mithilfe der Technik könnte dann zum Beispiel sichtbar gemacht werden, wo sich Energie einsparen lässt. Bürgermeister Sven Kaiser: „Was in erster Linie Schüler und Lehrer unterstützt, sorgt gleichzeitig dafür, dass die Stadt Geldern Gebäude effizienter und klimaschonender als bisher betreiben kann. Selbstverständlich bleibt es nicht bei den Grundschulen. Wir drücken aufs Tempo und planen über die Stadtwerke, bis zum Jahresende alle städtischen Schulen mit Sensoren auszurüsten.“ Und so funktioniert die Technik: Sensoren erfassen den CO2-Gehalt, die Luftfeuchtigkeit und Temperatur eines Raumes. Dann werden die Daten über das LoRaWAN-Netz in eine Cloud geladen, von wo aus sie jederzeit und von jedem Ort aus abrufbar sind. So lassen sich Missstände aufdecken beziehungsweise lokalisieren. „Es gibt viele Argumente, die LoRaWAN für uns attraktiv machen“, sagt Jennifer Strücker. Als Beispiele nennt sie unter anderem die Erfassung von Wetter- und Umweltdaten oder von Energieverbräuchen. Auf Parkflächen ließe sich mithilfe der Technik sicherstellen, dass Rettungswege auf jeden Fall freigehalten werden. Das Netz verfügt über enorme Reichweiten und verbraucht trotzdem nur wenig Energie. Aufgrund niedriger Frequenzen sei auch die Durchdringung von Gebäuden sehr gut, berichtet Kaiser. „Wo das Mobilfunknetz in die Knie geht, zum Beispiel im Gebäudekeller, überträgt LoRaWAN ohne Probleme. Zudem ist die Nutzung der Netze kostenfrei.“ Die Stadt Geldern betrachtet die Partnerschaft mit den Stadtwerken auch als gute Perspektive, um für die rasante Entwicklung bei der Digitalisierung gerüstet zu sein.

 

Quelle: Rheinische Post