Noch ist unklar, ob die beiden Gymnasien (im Bild Friedrich-Spee) im künftigen Bildungspark in Geldern saniert oder neu gebaut werden sollen. RP-FOTO: G. EVERS

Kehrtwende in Geldern: Vor zwei Jahren wurde ein gemeinsamer Neubau favorisiert. Das Architekturbüro van Ooyen kommt jetzt zu einem anderen Schluss. Die erste Maßnahme könnte frühestens 2024 beginnen. Kosten sind gestiegen.

GELDERN Still war es um die beiden Gymnasien geworden. Doch nun möchte die Gelderner Baugesellschaft aufs Tempo drücken. Wenn es nach Geschäftsführer Thomas Mutz geht, soll bereits im nächsten Schulausschuss am 8. Dezember eine konkrete Beschlussvorlage
hinsichtlich des Friedrich-Spee-Gymnasiums  vorliegen. „Je länger wir warten, desto teurer wird es“, sagte er. Dabei ist die wichtigste Frage
zum geplanten „Bildungspark“ in Geldern, zu dem neben den beiden Gymnasien auch die  Aula, das Hallenbad und die Turnhalle gehören,
noch gar nicht geklärt. Nämlich, ob es ein Neubau oder eine Sanierung werden wird. 2019 hatte das Architekturbüro Hausmann aus Aachen eine Machbarkeitsstudie vorgestellt, die zu dem Ergebnis kam, dass ein Neubau der beiden Schulen Vorteile gegenüber einer Sanierung hätte. Planung und Bauzeit wären deutlich kürzer als bei einer Sanierung im Bestand, hieß es. Insgesamt fünfeinhalb Jahre hatten die Architekten dafür einkalkuliert,  dreieinhalb Jahre davon als reine Bauzeit. Bei der Sanierung gingen sie von insgesamt acht Jahren und neun Monaten Projektlaufzeit aus. Alleine der Umbau hätte mehr als sechseinhalb Jahre in Anspruch genommen. Auf Grundlage dieser Machbarkeitsstudie hat die Gelderner Baugesellschaft nun das Architekturbüro van Ooyen aus Straelen beauftragt, einen Plan zu entwickeln, der am Dienstag im Schulausschuss von Architekt Oliver Droop präsentiert wurde. Er sprach von einem „Mammutprojekt“, für das es keine einfache Lösung gebe, sondern nur „einen Weg, den man einschlagen könnte“. Keinen Zweifel ließ er daran, dass die beiden Schulen reparaturbedürftig und energetisch von vorgestern seien. Allerdings kam er zu einem anderen Ergebnis als das Architekturbüro Hausmann. Seiner Meinung nach würde sich eine Komplettsanierung anbieten. Die Grundidee der beiden Schulen sei wunderbar, teilte er dem Ausschuss mit.„Leider sind die Gebäude im Laufe der Zeit immer weiter verbaut worden.“ Insbesondere das Friedrich-Spee- Gymnasium befinde sich in einem schlechten Zustand, was Bausubstanz, Raumqualität und äußeres Erscheinungsbild betrifft. Um die  Zügigkeit der Schulen wie gewünscht von drei auf 3,5 zu erhöhen, seien an beiden Standorten Umbauten nötig – mal mehr, mal weniger gravierend. Beim Lise-Meitner-Gymnasium sei nicht einmal ein Anbau nötig, um die künftigen Schülerzahlen dort unterzubringen, sofern man bereit sei, sich von der Aula zu trennen. Ein Vorschlag lautet, sie an anderer Stelle zu errichten.„Wenn wir heute eine Aula bauen, dann würden wir sie eigentlich kleiner bauen“, erklärte Droop. Allerdings soll die Aula in  Zukunft so etwas wie die „gute Stube der Stadt“ werden und dafür benötige man ein Foyer. Seine Idee: Die Aula entweder mit der jetzigen Turnhalle der Adelheid-Grundschule zusammenführen oder, wenn das Schwimmbad bleiben soll, wo es ist, die Aula zwischen dem Lise-Meitner-Gymnasium im Norden und dem  Friedrich-Spee-Gymnasium im Süden neu zu bauen. Beginnen würde er mit der Sanierung des Friedrich-Spee-Gymnasiums. Die Ausführung  könnte zwischen 2024 und 2026 stattfinden,  vorausgesetzt, die Planung würde bereits Anfang nächsten Jahres beginnen. Das Schwimmbad  könnte bis 2027 fertig sein, die Aula bis 2028 und das Lise-Meitner-Gymnasium bis 2029.  „Wenn wir uns dafür entscheiden, mit dem Friedrich-Spee-Gymnasium loszulegen“, sagte Bürgermeister Sven Kaiser, „hätten wir den ersten Pflock eingeschlagen, aber der Rest wäre  noch offen. Und nur um das noch mal zu sagen: Wenn wir uns heute entscheiden, dann  steht der erste Kran realistisch erst 2024.“ Zur Höhe der Kosten konnte Droop auch schon eine erste Schätzung abgeben. Zum jetzigen Zeitpunkt gehe er von Sanierungskosten für das Lise-Meitner-Gymnasium von 17,9 Millionen  Euro, für das Friedrich-Spee-Gymnasium von 22,8 Millionen Euro und für die Aula/Sporthalle von 9,9 Millionen Euro aus. Macht unterm  Strich 50,5 Millionen Euro. Vor zwei Jahren hörten sich das Vorhaben noch günstiger an: Da wurden die Kosten für den Neubau auf 39,9  Millionen Euro geschätzt und die Sanierung auf 38,1 Millionen Euro – allerdings ging man  seinerzeit noch von einer baulichen  Dreizügigkeit aus. Nach Schätzung des  Architekturbüros van Ooyen würden die Kosten für den Hausmann-Vorschlag heute bei 41,7  Millionen Euro für eine Sanierung und 51,8  Millionen Euro für den Neubau (Dreizügigkeit) beziehungsweise 43,3 und 59,4 Millionen Euro (3,5-Zügigkeit) liegen. „Die Zahlen sind hoch“,  meinte Kämmerer Thomas Knorrek, „aber wenn wir früh anfangen, können wir die Baukosten  gering halten und von der jetzigen Zinssicherung profitieren.“ Außerdem geht er bei einer Sanierung von deutlich verbesserten Fördermöglichkeiten aus. Insgesamt sei die Lage für ihn aber schwer einzuschätzen. Schließlich  sei nicht sicher, ob es sich bei den Kosten am Ende um 50 oder 67 Millionen Euro handelt. Die Gespräche sollen im Campus Ausschuss am  Dienstag, 28. September, sowie in weiteren  Ausschüssen fortgesetzt werden.

Quelle: Rheinische Post